Wir brauch(t)en euer Geld – Wenn Hoffnung keimt

Das war nicht unser Tag, als der Anruf kam, dass unser Antrag nicht bewilligt wird. Noch im Gespräch war klar, mist, wir haben ein Problem: Wie kriegen wir unsere WOLKEN ÜBER LÜTZERATH Kino-Tour finanziert. Alle 13 Tourstopps waren fest, alle Plakate bestellt und verschickt, alles schon so weit gereift, das man hätte sofort losfahren können. Und dann das. 10.000 Euro, die auf einmal fehlen. Als kleinster Filmverleih der Welt, wie wir gern immer sagen, ist das richtig viel Geld; das haben wir weder als Rücklage noch in irgendeiner Portokasse; auf Kante genäht, ist bei uns oft ein Dauerzustand. Kein Filmverleih kommt in Deutschland ohne Förderung aus, das habe ich damals als einen der ersten Lehrsätze von unserem damaligen Mentor gelernt. Den Zahn müsse er mir gleich ziehen, hieß es; ihr werdet immer eine Förderung brauchen. Ich weiß noch, wie es sich in mir sträubte, wir bleiben auf ewig independent dachte ich mir. Aber nein, er hatte recht. Wenn man einen Film ins Kino und auf die Leinwand bringt, gibt es gefühlt 1000 Dinge, die du machen kannst oder auch machen solltest. Und fast alles kostet Geld bzw. war uns relativ schnell klar, dass, wenn wir kein Geld an unsere Freund*innen und Kolleg*innen zahlen können, und deren Leistung immer als Support und Ehrenamt abrufen, tragen deren Schultern unsere Arbeit; das wollten wir definitiv nicht. Wir arbeiten mit grandiosen Leuten zusammen, alle Bereiche Druck, Grafik, Art Work, Texte, Kinos, Betreuung, Technik usw. usw., wir kennen uns alle schon lange, wir würden niemand von ihnen missen wollen, es gibt immer mal wieder auch einen guten Preis, aber im Kern ist es uns enorm wichtig, dass alle davon leben können. Das niemand 30h ihrer Zeit investiert und dann mit 50 EUR am Ende rausgeht. Wer soll davon leben, irgendwas bezahlen können? Auch vor diesem Hintergrund war klar, wir brauchen Förderungen, um die vielen, vielen Aufgaben irgendwie bezahlen zu können. Und klar, jeder Film bringt uns Einnahmen, mal mehr, mal weniger, aber im Kern bringen wir politische und subkulturelle Dokumentarfilme ins Kino, da wird schnell klar, damit holst du keine 500.000 Menschen ins Kino; das ist und bleibt oft Nische und das heißt, da werden niemals die 100.000den Euro fließen, von den Millionen Mal ganz zu schweigen. … Die ersten Tage rangierten wir zwischen traurig & ratlos und dem Gefühl, unendlich klein zu sein, es war alles schwer. Doch relativ schnell keimte auch die Idee, die Hoffnung, komm, wir finden einen Weg. Und wenn die uns nicht helfen, dann fragen wir die, die immer da sind, für die wir alles machen: unser Publikum. Und so kam es. Wir setzten eine Crowdfunding Kampagne auf, legten alles offen, für was wir Geld brauchen, wo es drückt und fehlt und schauen was passiert. Und dann gingen wir online. Mit dieser SEITE. Nach einer Stunde rufte ich Kubi an, Kubi, wir haben schon 50 EUR, wir geil ist das denn?! Vielleicht kommt ja wirklich was zusammen. In weniger als einer Woche hatten wir 2000 EUR zusammen, 74 Leute haben bisher gespendet, wieeeeeee krass ist das? Viel zu krass! 🙂 Dazu schreiben Leute, dass sie kein Geld haben, aber wir bei ihnen schlafen könnten, unsere Druckerei sagt, lasst das Geld für die Aufkleber diesmal stecken, wir zahlen für euch, Kinos melden sich und sagen, wir überlassen euch die gesamten Einnahmen des Abends. Das alles ist so unglaublich. Die Magie des Kinos, davon sprechen wir oft, das atmen wir, oft meint es die Atmosphäre während einer Vorführung, wenn alles passt und stimmt und alles rund und perfekt wirkt, für den einen Moment, für diese eine Projektion. Die Magie des Kinos meint aber auch, niemand ist allein, wenn den einen das Geld abhandenkommt, stützen andere, sind andere da, helfen, trösten, reden einem gut zu; damit eben genau jenes Kinoerlebnis entstehen kann, vorbereitet im Hintergrund aka das Backend der Kinomagie. All das erleben wir gerade und wir sie so unendlich glücklich darüber und auch ein wenig stolz, weil wir fühlen und wissen, dass uns das beste Publikum, die beste Crowd der Welt trägt und begleitet; und wir niemals nie alleine sind. Wenn wir jetzt auch noch auf volle Kino-Säle treffen, ihr Lieben, wir werden bis zum Sterbebett immer diese Geschichte erzählen, wie wir damals nicht mehr weiter wussten, nach dem Anruf und der Absage und dann am Ende WOLKEN ÜBER LÜTZERATH mit vielen, vielen helfenden Händen, Köpfen und Herzen ins Kino getragen haben, damit die Erlebnisse in Lützerath sichtbar sind und bleiben, motivieren und begeistern und einen kleinen Teil zum besseren Ganzen beitragen. Diese Geschichte wollen wir gern erzählen, und gern mit Tränen in den Augen und tief gerührt, bis ganz zum Ende. In tiefer Verbundenheit und Freundschaft, Tom/ Rotzfrech Cinema —- Ihr habt Lust uns zu unterstützen? Hier ein paar Ideen. 1) Unterstützt gern unsere Startnextkampagne: https://www.startnext.com/wolken-ueber-luetzerath2) Kommt ins Kino und auf unsere Tour, alle Termine findet ihr auf unserer Filmseite: https://rotzfrech-cinema.com/wolken-ueber-luetzerath/ – denn Kino lebt von und durch das Publikum3) Sagt es gern weiter, dass es WOLKEN ÜBER LÜTZERATH gibt, und alle ihn gern zeigen können, im eigenen Kino, in eigenen und anderen Räumen, draußen, drinnen, alles ist denkbar, Kino geht fast überall4) Meldet euch gern mit eigenen Ideen, oder Kommentaren, Anmerkungen, Tipps, Wünschen, …. hello@rotzfrech-cinema.com – welcome!

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